Betrugsfall in Differdingen: Personal schützen, Fakten klären und Sicherheitslücken schließen
Die FGFC, die Gewerkschaft des Gemeindepersonals, möchte angesichts der öffentlichen Diskussion über den Betrugsfall in Differdingen zunächst klarstellen: Die kriminelle Energie ging von außen aus, nicht vom Personal der Gemeindeverwaltung. Nach den uns vorliegenden Informationen haben die betroffenen Beschäftigten keine Änderungen der Bankverbindung aufgrund telefonischer Anweisungen vorgenommen und die üblichen vorgesehenen Prozeduren eingehalten.
Die Gewerkschaft stellt sich vor das betroffene Personal und wehrt sich gegen vorschnelle Schuldzuweisungen. Die laufenden Ermittlungen müssen den tatsächlichen Ablauf klären und mögliche Schwachstellen aufdecken. Die Dynamik, die dieses Dossier inzwischen in der Öffentlichkeit entwickelt hat, wird den bislang bekannten Geschehnissen aus unserer Sicht teilweise nicht mehr gerecht.
Alle beteiligten Abläufe müssen beleuchtet werden
Wir bedauern, dass manche Presseberichte den Vorgang nahezu ausschließlich aus einer Perspektive darstellen und dabei das Gemeindepersonal in den Mittelpunkt der Kritik rücken. Darüber hinaus ist es unverantwortlich, ungeprüfte und falsche Informationen an die Öffentlichkeit weiterzugeben. Ohne den Ermittlungen vorzugreifen, muss auch die Frage erlaubt sein, welche Abläufe und Sicherheitsvorkehrungen bei den weiteren beteiligten Unternehmen bestanden und wie der Betrug überhaupt möglich werden konnte. Eine vollständige Aufklärung muss die gesamte Kette der Vorgänge berücksichtigen.
Kontrollen stärken und strukturelle Schwachstellen angehen
Die Gewerkschaft des Gemeindepersonals begrüßt das vom Minister für innere Angelegenheiten angekündigte Vier-Augen-Prinzip sowie die grundsätzliche Überarbeitung der Organisation und der Verfahren im kommunalen Finanzwesen. In diesem Zusammenhang muss auch die angekündigte Reform des Finanzpfeilers im Gemeindegesetz berücksichtigt werden. Klare Zuständigkeiten, nachvollziehbare Abläufe und wirksame Kontrollen schützen öffentliche Gelder und geben den Beschäftigten Sicherheit bei der Ausübung ihrer Aufgaben.
Die FGFC und die Vereinigung der Receveurs communaux müssen weiterhin in diesen Reformprozess eingebunden werden. Ihre ausgewiesene Fachkompetenz und ihre tägliche Praxiserfahrung sind unerlässlich, um wirksame, realistische und praxistaugliche Verbesserungen zu entwickeln. Nur wenn die Erfahrungen derjenigen berücksichtigt werden, die täglich für die kommunalen Finanzabläufe verantwortlich sind, können neue Verfahren den tatsächlichen Anforderungen der Gemeinden gerecht werden.
Dabei darf die Debatte nicht auf einzelne Kontrollmaßnahmen beschränkt bleiben. Nach unserem Kenntnisstand hat bislang keine kommunale Verwaltung die seit Juli verpflichtenden NIS2-Anforderungen* vollständig umgesetzt. Seit Langem weisen wir immer wieder darauf hin, dass es im kommunalen Dienst an einheitlichen Regeln fehlt – gerade auch bei der Cybersicherheit.
Hier ist die Politik gefordert, einen klaren und verbindlichen Rahmen zu schaffen und die notwendigen personellen, technischen und finanziellen Mittel für dessen Umsetzung bereitzustellen. Die Beschäftigten brauchen verständliche Verfahren, praxisnahe Weiterbildung und kompetente Unterstützung.
Gemeinsam handeln statt vorschnell Schuld zuzuweisen
Wie bereits in unserer Stellungnahme zum GRECO-Bericht betont, müssen neue Regeln eindeutig, verhältnismäßig und rechtssicher sein. Wo vergleichbare Aufgaben und Verantwortlichkeiten bestehen, braucht es möglichst einheitliche Standards für den gesamten öffentlichen Dienst.
Diese Regeln müssen gemeinsam mit dem Innenministerium, den kommunalen Arbeitgebern, der Vereinigung der Receveurs communaux und den Personalvertretungen erarbeitet und umgesetzt werden. Der Sozialdialog muss vor den Entscheidungen stattfinden.
Jetzt gilt es, den Finger in die richtige Wunde zu legen und die strukturellen Schwachstellen konsequent zu beheben. Wir werden diesen Prozess konstruktiv begleiten. Das Ziel ist klar: öffentliche Gelder wirksam schützen und dem Personal die Bedingungen geben, die es für eine sichere und verantwortungsvolle Arbeit braucht.
FGFC-Pressemitteilung
Freitag, den 2. Oktober 2026