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„Den 9. Mee 2017 wäert sech däi Liewen an der Fonction publique veränneren" – Wie die FGFC sich neu erfunden hat

Vom Pflaster auf einer Einladungskarte bis zu den ersten basisdemokratischen Wahlen: In neun Jahren hat sich die FGFC neu erfunden – moderner, transparenter und näher an ihren Mitgliedern, ohne ihre kommunalen Wurzeln zu vergessen.

Eine schlichte Einladungskarte mit einem Pflaster darauf. Kein großes Programm, kein langer Ankündigungstext – nur ein Satz und ein QR-Code. Was am 9. Mai 2017 in einem Versammlungssaal begann, hat die FGFC in den darauffolgenden neun Jahren grundlegend verändert. Heute, im Jahr 2026, steht die Fédération Générale de la Fonction Communale vor einem Meilenstein, der in ihrer über hundertjährige Geschichte seinesgleichen sucht: den ersten basisdemokratischen Wahlen für ihr höchstes Gremium, des „Comité directeur".

 

Ein Pflaster als Programm

Für viele der Anwesenden war es zunächst ein Rätsel: Warum ein Pflaster? Doch wer an jenem Maiabend in den Saal kam, ahnte schnell, dass es sich um mehr handelte als einen weiteren Gewerkschaftsabend mit Tagesordnung und Protokoll.

Generalsekretär Marco Thome stellte das vor, was intern bald als „Gamechanger-Theorie" bekannt werden sollte. Die Diagnose war klar: Die FGFC, 1912 gegründet und traditionell für das gesamte kommunale Personal Luxemburgs offen, hatte sich über Jahrzehnte bewährt – aber sie war auch in die Jahre gekommen. Die Strukturen trugen die Last der Geschichte. Und die Mitglieder, eine neue Generation von Beschäftigten mit anderen Erwartungen und Lebensrealitäten, wurden damit nicht mehr ausreichend erreicht.

Das Pflaster auf der Einladungskarte war keine Metapher für Vertuschung. Es stand für etwas anderes: Ehrlichkeit gegenüber den eigenen Schwachstellen – und den Willen, sie zu heilen.

 

Das GoTeam: Eine Werkstatt des Wandels


Noch am selben Abend wurde das sogenannte „GoTeam" ins Leben gerufen. Eine Arbeitsgruppe, zusammengesetzt aus engagierten Mitgliedern, die eines verband: der Wille, die FGFC nicht aufzugeben, sondern neu zu denken.

Die Aufgabe war so klar wie anspruchsvoll. Die kommunale Identität sollte erhalten bleiben – schließlich ist die FGFC mehr als eine Interessenvertretung, sie ist Teil einer gemeinsamen Geschichte des öffentlichen Dienstes in Luxemburg. Gleichzeitig sollte die Organisation proaktiver, offener und moderner werden. Mehr Transparenz, einfachere Strukturen, stärkere Mitgliederbeteiligung – das waren die Eckpunkte des Auftrags.

Das GoTeam durchlief Coachings und Workshops. Es lernte, Fehler zu machen und daraus zu lernen. Nicht alles funktionierte beim ersten Anlauf. Aber genau dieser offene Umgang mit dem Scheitern – das Überarbeiten, das Weitermachen – wurde zur eigentlichen Stärke des Reformprozesses.


Neun Jahre, eine Transformation

Von 2020 bis 2025 begann offiziell die Übergangsphase. Wer geglaubt hatte, eine Gewerkschaft mit über hundert Jahren Geschichte ließe sich in wenigen Monaten umbauen, wurde eines Besseren belehrt – und das war gut so.

Die Reformen, die in dieser Phase schrittweise eingeführt wurden, greifen tief in das Selbstverständnis der Organisation ein.

  • Individuelles Mitglied statt Berufsgruppen-Pflicht. Wer der FGFC beitreten möchte, muss sich heute nicht mehr einer bestimmten Berufsorganisation zuordnen. Die individuelle Mitgliedschaft öffnet die Gewerkschaft für flexible Berufsbiografien und veränderte Arbeitswelten.
  • Ein einheitlicher Beitrag. Statt eines unübersichtlichen Geflochts aus verschiedenen Tarifen gilt heute ein einheitlicher Jahresbeitrag – mit sozialen Ausnahmen für Auszubildende, Verwitwete und Pensionierte. Weniger Komplexität, mehr Solidarität: Die Botschaft dahinter ist eindeutig.
  • Drei Säulen statt Laufbahnlogik. Die neue Struktur orientiert sich nicht mehr an Karrierestufen, sondern an Arbeitsrealitäten: Administration & Finanzen, Sozio-edukativ & Kultur sowie Technik & Handwerk. Menschen, die ähnliche berufliche Herausforderungen kennen, sollen sich finden und austauschen können.
  • Weniger Bürokratie durch „Groupements d'intérêt". Die traditionellen „Associations professionnelles" wurden durch neue Interessengruppen ersetzt, die keine eigenen Statuten mehr brauchen, keine separaten Beiträge verwalten müssen und vollständig durch die FGFC unterstützt werden. Das Ergebnis: Mehr Zeit für die eigentliche Arbeit mit und für Mitglieder.

 

Digital, professionell, transparent

Reformen auf dem Papier sind das eine. Die FGFC hat aber auch die Art und Weise verändert, wie sie täglich arbeitet.

Mit der Einführung professioneller Verwaltungssoftware, standardisierter Informatiklösungen und Microsoft Teams als zentraler Arbeitsplattform hielt die digitale Moderne Einzug in eine Organisation, die lange Zeit auf bewährte Papierstrukturen setzte. Gleichzeitig entstanden erstmals ein mehrjähriger Budgetplan und eine politische Vision mit klar formulierter Mission und strategischen Zielen. Nichts Selbstverständliches für eine Gewerkschaft, die jahrzehntelang ohne solche Instrumente auskam.

Ein besonders starkes Signal in Sachen Transparenz ist die Einrichtung einer externen Fiduciaire sowie einer „Commission de surveillance", deren Aufgabe über reine Buchprüfung hinausgeht. Die Kommissare überwachen ebenso die Einhaltung der Statuten und die korrekte Durchführung von Wahlen. Vertrauen entsteht durch Kontrolle – auch das gehört zum neuen Selbstverständnis der FGFC.

 

Die „Académie publique": Mehr als eine Gewerkschaft

Vielleicht am deutlichsten zeigt sich der Wandel in einem Projekt, das über die klassische Gewerkschaftsarbeit hinausweist: der „Académie publique".

Die Akademie bietet Weiterbildungen für aktive Mitglieder und Personaldelegierte an, veranstaltet Konferenzen und Workshops und stellt Beratungsangebote für den gesamten kommunalen Dienst bereit. Die FGFC versteht sich damit nicht mehr nur als Sprachrohr ihrer Mitglieder – sondern zunehmend als Kompetenz- und Ausbildungszentrum für den kommunalen öffentlichen Dienst in Luxemburg.

 

Parteipolitische Neutralität seit 1912

Die FGFC versteht sich seit ihrer Gründung 1912 als unabhängige Interessenvertretung des kommunalen Personals – parteipolitisch neutral und offen für alle Beschäftigten.

In einer Zeit zunehmender Polarisierung ist parteipolitische Neutralität für die FGFC nicht Tradition, sondern Grundlage ihrer Glaubwürdigkeit. Die Gewerkschaft vertritt Bedienstete aller Gemeinden und Berufsgruppen und arbeitet täglich mit verschiedenen politischen Verantwortungsträgern zusammen. Eine klare Neutralitätshaltung schafft die Basis für konstruktive Beziehungen, gegenseitigen Respekt und sachlichen sozialen Dialog. Der Auftrag der FGFC ist klar: Sie vertritt die Interessen ihrer Mitglieder unabhängig und verlässlich – nicht parteipolitische Programme oder politische Mehrheiten.

Zur Sicherung der Neutralität gelten klare interne Richtlinien: Mitglieder der Exekutive dürfen kein politisches Mandat ausüben und sich nicht aktiv parteipolitisch engagieren. Diese strikte Trennung von Gewerkschaft und Partei verhindert Interessenskonflikte und schützt die Unabhängigkeit. Die bewusste Trennung zwischen gewerkschaftlicher Verantwortung und parteipolitischem Engagement stärkt das Vertrauen der Mitglieder in eine Vertretung, die ausschließlich dem kommunalen öffentlichen Dienst verpflichtet ist.

Moderne Strukturen und neue Beteiligungsformen dürfen niemals die Grundwerte der FGFC gefährden. Die Organisation hat sich verändert – ihre Unabhängigkeit jedoch blieb über mehr als ein Jahrhundert hinweg unverändert bestehen.

 

2026: Die Demokratie kommt ins Gremium

2023 bestätigten der Kongres die aktuelle Exekutive im Amt und gaben damit dem eingeschlagenen Kurs ihre klare Rückendeckung. Gleichzeitig wurde ein Ziel formuliert, das die Reform zu ihrem eigentlichen Abschluss führen soll: 2026 finden erstmals basisdemokratische Wahlen für den „Comité directeur" statt – das höchste Entscheidungsgremium der FGFC.

Der Comité directeur wurde auf 27 stimmberechtigte Mandate begrenzt und als partizipatives Organ neu definiert. Ergänzt wird er durch eine „Exekutive élargie", in die engagierten Mitglieder ohne Stimmrecht mitdiskutieren und sich auf mögliche zukünftige Verantwortung vorbereiten können.

Diese Wahl ist nicht nur eine organisatorische Maßnahme. Sie ist ein Bekenntnis: Die FGFC gehört ihren Mitgliedern. Und sie soll von ihnen gestaltet werden.

 

Am 23. Oktober: Rückblick und Aufbruch zugleich

Mit dem großen FGFC-Symposium am 23. Oktober 2026 findet der Reformprozess seinen öffentlichen Rahmen. Dort wird die Organisation auf neun Jahre Wandel zurückblicken – und gleichzeitig den Blick nach vorne richten: auf die Herausforderungen, die der kommunale öffentliche Dienst in den kommenden Jahren meistern muss.

Alle Mitglieder – ob noch aktiv im Dienst oder bereits pensioniert – sind aufgerufen, ihr Stimmrecht zu nutzen und an der Briefwahl teilzunehmen. Denn eines hat der Reformprozess über alle Jahre hinweg gezeigt: Wandel entsteht nicht in Hinterzimmern. Er entsteht, wenn Menschen mitmachen.

Was mit einem Pflaster auf einer Einladungskarte begann, ist heute eine Organisation, die sich selbst neu definiert hat – ohne zu vergessen, woher sie kommt.

Weitere Informationen zu den Wahlen, sowie alle Details zur Briefwahl finden sich auf der offiziellen FGFC-Wahlseite: https://walen-fgfc.lu/